Kinderlebensmittel - eine kritische Betrachtung

Problematik der Kinderlebensmittel

Die Problematik dieser Warengruppe besteht nicht nur darin, dass sie speziell Kinderaugen zum Leuchten bringen und manchen Nerv der Eltern rauben. Die eigentlichen Probleme machen sich erst bei genauerer Betrachtung bemerkbar.

 Die Verpackung und der liebe Müll

Kinderlebensmittel sind häufig aufwendig verpackt und tragen somit enorm zum bestehenden Umweltproblem bei, denn der Müll muss irgendwie beseitigt werden. Viele Umverpackungen sind allein für das Produkt nicht notwendig, allerdings auf Grund von Bildchen, Sammelfiguren und Spielfiguren oder der kindgerechten Handhabung (z.B. wegen der kleinen Hände) nicht wegzudenken.

 Der Preis und das begrenzte Budget der Eltern

Eine Vielzahl der Produkte speziell für Kinder ist stark überteuert. Sie kosten oft mehr, als normale beziehungsweise natürliche Lebensmittel, können aber z.B. aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht mithalten. Oft wird nur der allseits bekannte Name des Produktes teuer bezahlt. Dies’ spüren die Eltern vor allem am Ende eines jeden Monats, wenn es dann heißt mit den letztens Cents in der Tasche noch zu haushalten.

 Das Markenbewusstsein

Gerade durch die Fernsehwerbung werden die Kinder empfänglich für solche Produkte gemacht. Mit Hilfe von Fiktion, Comic, Zeichentrick, Spiel oder Sport als Rahmenhandlung versucht man die Aufmerksamkeit der Kinder zu wecken. Eingesetzte Werbeargumente, wie Geschmack, Genuss, Lifestyle, modernes Leben, Chic, Gesundheit, Zusatznutzen (Spielzeug), mentale Leistungsfähigkeit bis hin zu Tradition oder Prestige sollen das Markenbewusstsein schon bei den kleinen Kindern fördern und sie als zukünftige Kunden binden.

 Der so hoch angepriesene Gesundheitswert

Die Industrie verspricht mit ihrer geschickten Werbung, hochwertige Produkte, welche die Gesundheit der Kinder angeblich fördern. Es werden nur die wenigen positiven Seiten des Produktes hervorgehoben, nicht aber die negativen, welche häufig überwiegen. So wirbt man mit dem Calciumzusatz oder der extra Milchportion und lässt selbst die Eltern in dem Glauben, es handele sich um ein wertvolles Produkt. Immerhin glaubt, nach dem Ernährungsbericht 2000 der DGE, ein Großteil der 6 bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen daran, dass spezielle Kinderlebensmittel "ziemlich gesund" sind. Viele halten Kinderlebensmittel "genauso gesund", wie andere Lebensmittel und nur ein sehr geringer Teil der Befragten sind der Meinung, dass diese Lebensmittel "nicht gesund" sind.

Das Studieren der Zutatenliste deckt jedoch den augenscheinlichen Betrug auf. So sind viele der Lebensmittel sehr süß. D.h. sie enthalten eine große Menge Zucker. Weiterhin sind viele der Produkte stark fettreich. Übergewicht und Karies sind bei regelmäßigen Verzehr vorprogrammiert. Statt der Milch wird nur Milchpulver, Molke o.ä. verwendet.

Ein weiteres Problem stellen die Zusatzstoffe dar. Damit es schön bunt ist, sich lange hält, gut knistert oder so richtig fruchtig schmeckt, werden bspw. in großen Mengen Aromen, Farbstoffe, modifizierte Stärke, Säureregulatoren und Verdickungsmittel hinzugefügt.

Ernährt sich ein Kind vielseitig und abwechslungsreich (was in den ersten Lebensjahren häufig der Fall ist), ist das Anreichern der Lebensmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen nicht notwendig. Jedoch wird genau dieses bei vielen Lebensmitteln speziell für Kinder getan, da durch ihre starke Verarbeitung sämtliche Nährstoffe verloren gegangen sind. Allerdings gibt es hier noch keine gesetzlichen Vorschriften, welche Höchstmengen vorgeben und so übersteigen die Vitamin- und Mineralstoffzusätze häufig die empfohlene Tagesdosis. Eine direkte Gefahr für die Gesundheit besteht hier zwar nicht, z.B. durch eine Überdosierung, allerdings kann die Aufnahme anderer Nährstoffe beeinträchtigt werden. Setzt man diese angereicherten Produkte häufig im täglichen Speiseplan ein, kann dies schnell zur einseitigen Ernährungsweise verleiten.

Stiftung Warentest hat 40 Kinderlebensmittel getestet und kam zu dem erschreckenden Ergebnis, dass gerade einmal 5 der getesteten Produkte sich für die tägliche Ernährung eignen, der Rest jedoch nur gelegentlich auf dem Speiseplan zu finden sein sollte.

 

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© by Antje Leißring